Brothers Keepers
HipHop- und Lyrikwettbewerb
Anlässlich des 21. März,
...dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung und dem Welttag der Poesie, rufen wir Ende 2006 den großen Brothers Keepers HipHop- und Lyrikwettbewerb aus. Es gilt, kreativ seine Stimme gegen „Rassenhass“ und Diskriminierung und für ein faires Miteinander zu erheben – die Kraft der Worte zu nutzen, um ein Zeichen gegen Intoleranz, Rassismus und Rechtsextremismus zu setzen. Eingereicht werden können selbst produzierte HipHop-Tracks und/oder Gedichte.
Der Wettbewerb
Von Mitte Dezember 2006 bis Mitte Februar 2007 erreichen uns über 200 HipHop-Tracks und Gedichte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Jury, Schauspielerin Katja Riemann, Schauspieler Birol Ünel, Dr. Thomas Wohlfahrt (Literaturwerkstatt Berlin), Christian Bangel (Die Zeit Zünder), Marc Leopoldseder (Juice-Magazin), HipHop-Artist Clueso sowie die Brothers Keeper Torch, Denyo und Germ, haben in den Kategorien „HipHop“ und „Lyrik“ jeweils die Qual der Wahl.
Am 26. März 2007 ist es dann endlich soweit. Vor dem Hintergrund der Woche der Solidarität mit den gegen Rassismus und Rassendiskriminierung kämpfenden Völkern findet ein exklusiver Abschlussevent mit vielen Gästen, Preisverleihung und Podiumsdiskussion in den Berliner Räumen der Amadeu Antonio Stiftung statt. Durch das Programm führen Hadnet Tesfai (Radio Fritz) und Mekonnen Mesghena (Heinrich Böll Stiftung) und natürlich gibt es auch musikalisch etwas auf die Ohren. Jazzsängerin Chinaza begeistert gemeinsam mit Pianist Sebastian Weiß live mit ihrer einzigartigen Stimme und Grizzly Adams a.k.a. DJ Terror dreht gekonnt an den Plattentellern. Essy Agboli-Gomado vom Verein Brücke zu Togo zeigt mit ihrem liebevollen Buffet, wie erfüllend leckeres Essen sein kann und sorgt für das leibliche Wohl der rund 60 geladenen Gäste.
Vor der Preisverleihung
Bevor es jedoch mit der offiziellen Preisverleihung losgeht, die Gewinner gefeiert werden und jeweils ein eigens angefertigtes Bild des international bekannten nigerianischen Malers Chidi Kwubiri im Wert von 600 Euro sowie eine von den Juroren signierte Urkunde überreicht bekommen, gilt es, ernstere Töne anzuschlagen. In ihren Eröffnungsreden betonen sowohl Adé Bantu als auch Claudia Lohrenscheit vom Deutschen Institut für Menschenrechte sowie die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, wie wichtig es sei, kontinuierlich etwas gegen Intoleranz und Rechtsextremismus zu tun. Die Medien berichteten immer nur dann, wenn es einen „grausamen“ Aufhänger gebe, dabei seien Rassismus und Diskriminierung noch immer Alltag in Deutschland.
Unter dem Titel „Kreativer Widerstand im Zeitalter der Volksverstummung“ diskutieren im Anschluss Anetta Kahane, Katja Riemann, Birol Ünel, Adé Bantu und Torch passend zum Leitgedanken der Veranstaltung. Katja Riemann weist darauf hin, dass es vor allem die Künstler sein müssten, die mit „kreativem Widerstand“ unbequeme Wahrheiten ansprechen und Birol Ünel fordert von jedem Einzelnen ein drastischeres Eintreten gegen Rassismus: „Ich bin da eher Rock’n Roller!“ Torch, der selbst im Supermarkt CDs von ambitionierten Rappern zugesteckt bekommt, ist genervt von Zeilen wie „Wir ficken die Charts“. Er appelliert an junge Künstler, wieder mehr Inhalte in ihre Texte zu bringen – und das nicht nur, weil er als Zuhörer endlich wieder ernst genommen werden wolle.
Die Preisverleihung
Dass es auch anders geht, wird bei der anschließenden Preisverleihung deutlich. So heißt es im Siegertrack „Meine Leute“ von Crunch Time und Killomark:
„Es geht an alle Leute in diesem Land / Steht auf, seid stark, wehrt euch / Denn es ist Zeit für Widerstand / Ihr müsst aufstehen, rausgehen, die Faust heben / Bis sie merken, dass wir alle hier gemeinsam zu Haus leben.“
Das Siegergedicht „Vaterland“ von der 24-jährigen Österreicherin Maria Elisabeth Grundner treibt Laudatorin Katja Riemann sogar die Tränen in die Augen, während sie die letzten zeilen liest:
„wo / schwestern missachtet und / brüder zu feinden werden / dort haben wir unseren VATER vergessen“.
Die Gewinner auf einen Blick
- Platz: Meine Leute von Crunch Time & Killomark
- Platz: Willkommen in Ghana von Quichotte & Flo
- Platz: Mach Dir Ein Bild von Slow Mo, re-bug und DJ Madlock
- Platz: Vaterland von Maria Elisabeth Grundner
- Platz: es war März von Constanze Sannemüller
- Platz: Vom "Er" zum "Du" von Torsten Jäger
1.Platz HipHop: Crunch Time & Killomark
Crunch Time & Killomark a.k.a. Benjamin und Markus Heidrich aus dem sächsischen Erzgebirge sind die strahlenden Gewinner in der Kategorie „HipHop“. Gemeinsam mit ihrem dritten Bruder Smokebuddha haben sie vor drei Jahren angefangen, ernsthaft Rapmusik zu machen und bilden zusammen mit dem zweiten Produzenten Suka und der Sängerin Soul die 5-köpfige Crew „Overdoze-Music“. Die 21- und 19 Jahre alten Brüder wurden von Brothers Keeper-Aktivist und -Künstler Torch beglückwünscht, der sich positiv überrascht über die qualitativ guten Einsendungen freute: „Da fühlt man sich endlich als Zuhörer wieder ernst genommen!“ Und auch Juror Marc Leopoldseder von der JUICE zeigte sich beeindruckt: „Die Chancen stehen gut, dass wir die beiden auf einen unserer nächsten Sampler nehmen.“
Meine Leute
Das geht an alle meine Leute, ob schwarz, weiß, gelb und rot
Wir sind alle deutsch und sitzen im selben Boot
Und das, was unsere Welt bedroht
Sind die Leute, die meinen Rudolph Hess starb ‘nen Heldentod
Diese Primitivlinge ohne jeden Intellekt
Viele Parolen, aber nichts was dahinter steckt
Immer die gleichen Argumente über Arbeitsnot
Laufen über die Straße, singen schwarz, weiß rot
Und formieren sich zur Streitmacht
Die Augen voller Hass, Wut, Zorn, voller Feindschaft
Den Kopf voller nichts – sie wollen das Verständnis meiden
Für die, die unendlich leiden
Und in diesem Land ihre einzige Hoffnung sehn’
Doch viele würden ihnen gern ihren Kopf umdrehn’
Das Wenige, was sie haben aus der Hand reißen
Sie treten, vertreiben, in hohem Bogen aus dem Land schmeißen
Wir müssen Hand in Hand gehen’
Ich will, dass Moscheen in unsrem’ ganzen Land steht’
Also Zeit, dass man die Weichen stellt
Wir sind nicht ein Land, Homie – wir sind eine Welt
Refrain
Das geht an alle Leute in diesem Land
Steht auf, seid stark, wehrt euch, denn es ist Zeit für Widerstand
Ihr müsst aufstehn’, raus gehen’ die Faust heben
Bis sie merken, dass wir alle hier gemeinsam zu Haus’ leben.
Ich kenne keine Rassen – echte Werte liegen tief in der Seele
Ehrlich – Ich hab’ es satt, das primitive Gerede
Woher ihr seid ist egal – ihr seid meine Leute
Und es ist egal, welche Hautfarbe
Egal ob weiß oder schwarz – ihr seid meine Leute
Doch du wendest dich vom Fremdlichen ab
Denke nicht, dass du die Menschenmenge kennst, die du hasst
Überlege – deine Füße treten keine Übeltäter
Nur weil sie die schlechteren Orte verlassen, wenn ich ihnen woanders Asyl gewähre
Glaub mir, du würdest selbst so handeln
Du wärst selbst so – du wärst selbst nicht anders
Wenn deine wunderschöne Welt sich wandelt
Du keinen Traum, kein Haus, kein Geld zur Hand hast
Und für euch bringen Ausländer Kriminalität
Was bringt man ihnen entgegen, als Rassismus und Gewalt?
Zu viele sind nur wie sie sind, weil sie dazu gemacht werden
Keiner von euch wär’ wirklich besser, wenn er von den Anderen nichts als Hass erntet
Doch genau den gleichen Hass, den erntet ihr von uns
Von mir und von tausend Menschen da draußen, die genau so denken wie ich,
Homie
Refrain
Bridge
Du hast den Bauch voller Hass – sag mir warum
Ohne Faust bist du schwach – sag mir warum
Auf wen schaust du hinab – ich frag dich mal dumm
Verrat mir warum – dazu gibt es gar keinen Grund
Refrain
2.Platz HipHop: Quichotte und Flo
Quichotte und Flo a.k.a. Jonas Klee und Florian Fehling kommen ursprünglich aus Lindlar, studieren aber in Köln. Neben ihrem Soloprojekt zu zweit, bei dem auch „Willkommen in Ghana“ entstanden ist, spielen sie gemeinsam mit zwei Freunden in der Band Querfälltein – eine eher als alternativ zu bezeichnende Hip Hop Band mit Reggae- und Punk-Einflüssen. Dass sie zu den Gewinnern gehören, hatten die beiden 23-Jährigen nicht erwartet, obwohl sie von ihrem Track natürlich überzeugt sind. „Man weiß ja nicht, was die Konkurrenz so macht.“ Die Freude über den zweiten Platz war entsprechend groß. „Ich saß gerade mit meiner Freundin im Auto, als der Anruf kam und hab erst mal direkt Flo informiert“, erzählt Jonas Klee, der in dem Duo für das Texten und Rappen zuständig ist. Und Beat-Bastler Florian Fehling ergänzt: „Der Trip nach Berlin zur Preisverleihung war auf jeden Fall cool!“
Willkommen in Ghana
Er macht sich auf den Weg, geht aus dem Haus, sobald der Morgen dämmert
Früher als der Kiosk um die Ecke oder Ordnungsämter
ihre Türen öffnen geht er zu der Bahnstation.
Sein Gang ist fest und Ziel bestimmt als er sich eine Karte holt
Keiner außer ihm nimmt einen Zug zu dieser Tageszeit
Und seine Fahrt führt weit hinaus in eine andere Stadt,
wo ihn bisher noch keiner kennt und er keine Bekannten hat
Sein Blick ist kalt und er schaut hinaus auf weites Land
Er geht nicht mehr zur Schule, weil er die schon immer scheiße fand
Sieht jetzt die Scheibe an und sich als schwaches Spiegelbild
und übersieht Verzweiflung und dass er eigentlich Liebe will
Mit großem Widerwillen denkt er an sein Elternhaus,
zu oft hat er gelogen und der Mutter manchmal Geld geklaut
Sie haben ihn aufgegeben an den neuen Freundeskreis,
in dem er sich zu wehren lernte und was wahre Freundschaft heißt
Refrain
Wer kann schon leugnen, dass Vertrauen wie ein Vogel ist
Wenn du ihn erschreckst, kann es sein, dass er nach oben fliegt
Dieses Gefühl ist groß und schön wie eine Blütenpracht
Es trägt dich mit hinauf, doch wehe dem der keine Flügel hat
Durch Fälschung der Geschichte wurde Hass in seinen Verstand gepaukt
und Selbstvertrauen erzeugt, doch dieses ist auf Sand gebaut
Mit Hilfe seiner Schwächen wurden Aggressionen angestaut
und die Vergangenheit wie alte Kleider in ‘nem Schrank verstaut
Auch hat er dort gelernt, die Meinung zu verteidigen
nur wenn die Gegner zwanzig und sie selber zu dreißig sind
Hier ist er nicht das Einzelkind, gefangen ohne Luft zum Atmen
Keiner nimmt ihm mehr den Stolz, geschweige denn die Busfahrkarten
Hier, wo Muskeln zarten Wesen ihre Schönheit nehmen,
weil sie nur in Aggression und Schlägen wahre Größe sehen,
lernte er schön zu reden, wo er sein Versagen spürte
und den Strick zu ignorieren, den man um seinen Kragen schnürte
Jetzt sitzt er da und führt seit langem schon ein Eigenleben,
in dem sich wenige Gedanken immer nur im Kreis bewegen
Manchmal denkt er zwischendurch daran vielleicht mal heim zu gehen,
doch fehlt der Mut zu kämpfen und die Liebe um es einzusehen
Refrain
Kurz war er eingenickt, doch plötzlich schreckt er wieder hoch
Durch die Lautsprecher schallt der Name seines Zielbahnhofs
Er verlässt den Zug und läuft über den Bahnsteig
Jeden Schritt seiner Mission erörterte er haarklein
mit einem der Älteren, der immer einen Anzug trägt
und keine Glatze hat, geschweige denn noch Punker schlägt
Er ist der Chef dahinter und der denkende Kopf
Und viele von den anderen nennen ihn Gott
Denn er kreiert für sie ein Deutschland, das noch arisch ist
und betont, es wäre möglich, wenn’s auch noch ‘ne Menge Arbeit gibt
Dafür wird der erste Schritt nun endlich getan
und der Junge ist das Werkzeug für den schändlichen Plan
Dieser fährt nun mit dem Bus und erreicht das Asylantenheim
Zum Vorschein kommt ‘ne Flasche – mit Benzin gefüllt
Er steckt das Taschentuch hinein wie in dem Lieblingsfilm,
den er sich anschaute gegen die Angst vor der Tat
Das hat ihm auch der Alte mit dem Anzug gesagt
Er denkt an seine Worte von dem edlen Weg
und erst jetzt bemerkt er, dass ein Mädchen neben ihm steht
Sie schaut ihm in die Augen – gibt ihm die Hand
Und sagt: „Hab Achtung vor dem Leben“ – da bricht er zusammen
Er erwacht im Asylantenheim, riecht kochendes Fleisch
und eine alte Frau spricht zu ihm in gebrochenem Deutsch
„Gleich bekommst du eine Suppe – die peppelt dich auf,
danach gehst du zum Bahnhof und fährst besser nach Haus“
Das Mädchen sitzt am Tisch, er sieht erst jetzt, dass sie schwarz war
Sie lächelt ihm zu und sagt: „Willkommen in Ghana“
Refrain
3.Platz HipHop: Slow Mo / re-bug / DJ Madlock
Slow Mo, re-bug und DJ Madlock, das sind Morten Brodersen (21), Niko Ulrich (26) und Julian Terbuypen aus Hamburg. „Mach Dir Ein Bild“ schickten sie gerade noch rechtzeitig ein und obwohl sie nicht ganz zufrieden waren, reichte es für Platz 3. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der Textstärke des Tracks. „Kreativer Widerstand beginnt damit, seine eigenen Gedanken zu Papier zu bringen“, weiß Torch. Und die Jungs haben mehr zu sagen als „Nazis sind scheiße“, fragen stattdessen: „Was für ‘n Bild hast du von Deutschland?“ und werfen damit Fragen über Deutschland und die deutsche Identität auf. Morten Brodersen, zuständig für die Lyrics und das Rappen, brilliert aber durch seinen Wortwitz und seine Wortgewandtheit – „malt ein Bild im Farbenrausch und setzt seinen Namen drauf“.
Mach Dir Ein Bild
Ey, ich hab letzte Nacht ‘n Traum gehabt, ich saß im Unterricht
und schaute auf die Uhr, wie all’ die Zeit so ohne Grund verstrich.
(Mitunter schlich…) – doch der Sekundenschlag ermuntert mich,
als wer mein’ Namen munter zischt, da frag ich bloß verwundert „ich?“
„Ja du, mein Freund“, – der neue Lehrer vom Geschichts-LK,
auch wenn ich dicht, wie ich so war, echt nicht mehr sah, als lichtes Haar.
Ein schlichter Bart, betonte effektiv sein liebes Lächeln,
coole Sache, so ’n neuer Lehrer wirkte viel versprechend.
„Die Verbrechen, die hier im Land vor sechzig Jahr’n geschah’n,
muss der Staat noch heute ab und an mit Gram und Scham bezahl’n.
Es ist aktuell und mir wird schlecht, wenn ich mir vorstelle,
nach so langer Zeit, gibt’s noch so viel’ rechte Vorfälle.
Nazis geh’n auf Wallfahrten, überall Gewalttaten –
Hört mir zu: Wir dürfen echt auf keinen Fall warten!
Mich würd’s interessieren, was ihr für ‘n Bild von Deutschland habt,
Gebt’s mir morgen bunt gemalt in Form eines Gebäudes ab.“
Hook A
„Was für’n Bild hast du von Deutschland? – Komm her und mal es auf.
Mal ein Haus im Farbenrausch und setze deinen Namen drauf.
Ob Schloss, Palast, ob Gartenhaus, ob Sturm und Kartenhaus
Morgen gibst du’s ab… ich warte drauf.“
„Zeig mir dein Bild von Deutschland! – Komm her und mal es auf.
Mal ein Haus im Farbenrausch und setze deinen Namen drauf.
Ob Schloss, Palast, ob Gartenhaus, ob Sturm und Kartenhaus
…ich warte drauf.“
Der ganze Saal war stumm, die Worte waren grad verklung’
Sein Ziel, uns zu verwirren, war ihm damit offenbar gelung’.
Wir sollten je ein Bild mal’n, das Land als ein Gebäude sehn,
bezogen auf Rassismus, wie mag’s wohl grad um Deutschland steh’n?
Ich mach mir selbst ‚n BILD, statt das von Springer anzunehm’.
Und ebenso nicht jeden Nazi bloß als Spinner anzuseh’n.
Ich hör’ mir all das Zeuch an, bin von vielem enttäuscht, man
Jeder Mensch ist ein Mensch, bitte wer ist hier Deutschland?
Natürlich hab ich Hass im Bauch, ball die Faust und lass es raus
Seh’ ich so Faschoschweine, ja da rast ich aus, doch pass auch auf,
dass ich nicht zu den Jungs gehör’, die ihnen nur mit Schlägen droh’n.
Gewalt mündet in Krieg, …doch wer kennt diese Regeln schon?
Rap gegen Gewalt und gegen Gegengewalt,
zu viele leben in Angst, alles wegen Gewalt.
Zu viele Glatzen sind brutal, ich fürchte auch, sie bleiben es,
doch wir könn’ etwas tun, dass sich die Jugend nicht verleiten lässt!
Hook A
Ich hörte mein Gefühl sagen, kauf dir jetzt Acrylfarben!
schwarz, rot, gold …aus so ‘nem kleinen Wühlladen.
Sie, die hinter’m Tresen stand, mit dem Besen in der Hand,
sagte mir, die Farben mischen, sei auf jeden interessant!
Ich konnt’s staun’d erleben, konnte kaum mehr reden,
weil die Farben halt gemischt auch heut noch braun ergeben!
Hör das Raun’ und Rede, in Discos, in Bistros,
die meisten schau’n weg: „Hey, das is’ bloß Rassismus...“
Ich kann nicht mehr zuseh’n, da hier schon zu viele schweigen
Wir müssen heute jeder selbst Initiative zeigen.
Rechte Verbände sind doch global schon vernetzt
- das Internet wird als Medium noch total unterschätzt!
Die „Bull’n“ sehn nach dem Rechten, doch hindern ihn nich fortzufahr’n,
ich sprech’ von all den Demos, wo die Nazis der’n Support bekam’.
Mein Bild wird langsam fertig – ich mal noch an den Rändern...
Doch es ist schon zu braun, helft mir, was daran zu ändern!!!
Hook B
„Was für ’n Bild hast du von Deutschland? – Komm her und mal es auf.
Mal ein Haus im Farbenrausch und setze deinen Namen drauf.
Ob Schloss, Palast, ob Gartenhaus, ob Sturm und Kartenhaus
Morgen gibst du’s ab… ich warte drauf.“
Wie wird mein Bild von Deutschland? Wird es den Rahmen spreng’?
Das Haus wirkt fade, streng und hat – obwohl ich viele Farben kenn’ –
ein braunes Fundament und man sieht die Fassaden brenn’...
„Wahrheit soll man beim Namen nenn’“
1.Platz Lyrik: Maria Elisabeth Grundner
Maria Elisabeth Grundner lebt in der Nähe von Wien/Österreich und hat kürzlich ihr Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften erfolgreich abgeschlossen. Ihr Ziel ist es, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im sozialen Bereich zu machen, um möglichst viele Menschen erreichen und bewegen zu können. „Mir ist wichtig, einen wahren Sinn hinter meinem Tun zu sehen“, beschreibt die 24-Jährige ihre Lebensphilosophie und erklärt damit auch ihre Motivation, beim Brothers Keepers HipHop- und Lyrikwettbewerb mitzumachen. Mit dem Sieg hat sie nicht gerechnet: „Eigentlich wollte ich einen Song einschicken, aber dafür hat die Zeit dann nicht mehr gereicht.“ Dennoch hat sie es geschafft, mit ihrem Gedicht „Vaterland“ die Jury dermaßen zu beeindrucken, dass Laudatorin Katja Riemann beim Lesen des Gedichtes sogar die Tränen in die Augen stiegen.
Vaterland
wo
stolz vorurteil wird
liebe hass begründet
wo
neid enge grenzen zieht
freiheit ketten trägt
wo
einfalt vielfalt einhalt gebietet
farben wert von unwert trennen
wo
parolen lieder ersetzen
barrieren brücken zerschlagen
wo
leben kein geschenk mehr ist
angst regiert
wo
gewalt worte überflüssig macht
menschen fäuste reichen
wo
schwestern missachtet und
brüder zu feinden werden
dort haben wir unseren VATER vergessen
2.Platz Lyrik: Constanze Sannemüller
Constanze Sannemüller kommt ursprünglich aus Weimar und studierte schon während ihrer Schulzeit als Jungstudentin Violine in Leipzig und Hannover. Es folgte ein Solistenstudium in Graz. Heute tritt die 32-Jährige mit namhaften Orchestern und ihrem eigenen Ensemble auf. Neben der Musik schreibt sie Gedichte und Erzählungen und beeindruckte die Jury mit „es war März“ so sehr, dass es für den zweiten Platz reichte. Laudator Birol Ünel, der das Gedicht auf der Preisverleihung vortrug, zeigte sich begeistert: „’es war März’ ist nicht ohne Grund unter den Gewinnern - ein wirklich ausdruckstarkes Gedicht!“
es war März
es war März, in dem sie sich befanden
ihre Liebe hat die Zeit nicht überstanden
der Stein der Liebe ist ein Rosenquarz
er war weiß und sie war schwarz
auch diese Liebe war ein Edelstein
doch die Menschheit müsst zu edel sein
von innen fault sie blind und bleich
um zu merken – gleich ist gleich
diese Beiden wollten lieben, wollten Gutes
doch angesichts der Neigung ihres Blutes
war’n sie verurteilt und zu Dreck gemacht
seitdem hat ihre Lust nicht mehr gelacht
umso mehr lachen die Leute auf den Straßen
alle froh, dass die Geier sie nicht fraßen
für Gerechtigkeit zu labil und weich
um zu merken – gleich ist gleich
die 2 Liebenden trennten Hand von Hand
für sie war nichts mehr von Bestand
sie zogen sich zurück in ihren Schmerz
und sehnten sich für immer, Herz zu Herz
stetig, stolz, glaubt die Menschheit was zu wissen
Schein und Reichtum beruhigen ihr Gewissen
in ihrem Geld verstaubt, ist sie zu reich
um zu merken – gleich ist gleich
es war März und 2 Herzen war’n gebrochen
ihre Seelen wurden hinterrücks erstochen
in ihrer Liebe fühlten sie sich niemals frei
es war März, doch der Frühling war vorbei
3.Platz Lyrik: Torsten Jäger
Torsten Jäger lebt in Bodenheim/Rheinland-Pfalz, ist Bürokaufmann und Buchautor. Dass er einer der erfahreneren Schreiber ist und bereits Veröffentlichungen hat, spielte für die Jury jedoch keine Rolle. „Vom ‚Er’ zum ‚Du’“ ist einfach ein gutes Gedicht. „Das war mein persönlicher Favorit“, freut sich Brothers Keepers Künstler und -Aktivist Germ für Torsten Jäger und trägt den Beitrag bei der Preisverleihung authentisch und bestimmt vor. Mehr von Torsten Jäger gibt es unterwww.wer-hat-angst.de
Vom „Er“ zum „Du“
Willkommen, liebe Leserschaft,
auf stillem Orte, der bedacht
mit dem Schwarz der Schiefersteine,
verhindernd die Gedankenkeime.
Der Regen findet seinen Weg
zum stillen Ort, wo man grad steht.
Komm setz Dich hin – mein lieber Freund.
Man hatte es nur gut gemeint!
Platz genommen auf Ruinen,
Staaten voll mit wilden Bienen
tummeln sich – wie toll – herum
nur einer – er bleibt still und stumm!
Die Zeit verflogen – Raum vorbei!
Nur Bienen sind hier vogelfrei.
Er sitzt still schweigend hier herum,
und selbst Gedanken bleiben stumm!
Vorbei das Licht, vorbei das Blühen,
Er weiß nicht mehr – wohin nun ziehen,
zwischen Stühlen Platz gefunden,
die Welt umher ganz unverwunden.
Nur er, er sitzt hier still und leise,
blickt links und rechts! Die Stühle – weise.
Wer auf dem Stuhle Platz genommen,
der wird auch wirklich wahrgenommen.
Und er, er sitzt in der Versenkung,
wartet auf die nächste Kränkung,
die in seine Tiefe fällt.
Eine völlig ungerechte Welt!
Los, steh doch auf und stell Dich hin!
Dann macht das Denken wieder Sinn.
Vergrab Dich nicht – die Stille schützend -
in den Polstermöbelritzen.
Sag Deine Meinung – trete ein!
Gegen den Gedankenkeim,
der das Unrecht in sich trägt,
alte Zeiten neu belebt.
Zeiten, die schon längst verloren!
Vielfalt hat das Glück geboren!
Lass die Rechten nicht besetzen
all die Stühle – un-recht hetzen!
Sag ihnen, was Sache ist!
Gib Deiner Stimme jetzt Gewicht!
Entscheide Dich für einen Stuhl,
in dem großen Möbelpool,
den das Leben hält bereit.
Komm aus der Senke – es wird Zeit!
Die Jury
- Clueso – der Rapper, Sänger, Songwriter und Produzent hat sich spätestens seit dem Bundesvision Songcontest 2005 einen Namen weit über das HipHop-Biz hinaus gemacht.
- Denyo - ein „Beginner“ und aktives Mitglied des Brothers-Keepers-Kollektivs, der weiß, wie man musikalisch Geschichten erzählt.
- Marc Leopoldseder - Musikredakteur bei der JUICE, Deutschlands größtes HipHop-Magazin, dessen Job es ist, neue Talente und Potentiale zu erkennen.
- Torch - Urgestein des deutschen HipHop und Brothers Keepers-Künstler und -Aktivist der ersten Stunde. Kaum jemand hat HipHop hierzulande entscheidender geprägt als er.
- Christian Bangel - der Redakteur bei ZEIT Zünder, dem jungen Magazin der ZEIT online Redaktion, versteht was von gut kombinierten Buchstaben und geschickter Wortwahl.
- Germ - der Künstler und unermüdliche Aktivist des Brothers Keepers Kollektives beeindruckt nicht allein musikalisch mit seiner Wortgewandtheit.
- Katja Riemann - die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schauspielerin, hat sich inzwischen als Musikerin und Kinderbuchautorin einen Namen gemacht und engagiert sich als Repräsentantin für UNICEF.
- Birol Ünel - der deutsch-türkische Schauspieler gilt nicht erst seit „Gegen die Wand“ als einer der talentiertesten Schauspieler Deutschlands.
- Dr. Thomas Wohlfahrt - der Gründungsdirektor der Literaturwerkstatt Berlin weiß von Berufswegen ganz genau, was ein gutes Gedicht ausmacht.
Die besten 10
- Crunch Time & Killomark – Meine Leute
- Quichotte & Flo – Willkommen in Ghana
- Slow Mo / re-bug / DJ Madlock – Mach Dir Ein Bild
- Bless & Chagome / Beatdiggers – Brüderlichkeit
- Statler & Waldorf aka PHILTAH – Hör zu!
- SAGE & PerPlex – Mehr Stammtisch als Gehirn
- Atticts – N.M.A
- Bessawisser – Änder' was dran
- Phunky AL – Ballt Die Faust
- Ultimade Mike – Deutschland Deutschland
- Maria Elisabeth Grundner – Vaterland
- Constanze Sannemüller – es war März
- Torsten Jäger – Vom „Er“ zum „Du“
- Jennifer Bea Elisabeth Kulik – Mahnmale auf Stiefelkappen
- Rainer Thielmann – Laute Glatzen
- Erich Stoll – Blühende, böse Blume
- Matthias Lanin – Paradox
- Philip Saß, Jule Böttner und Fabian Fiedler – Aufrüfchen
- Michael Bückle – Gewidmet an Johel
- Nanett Neustädt – Ohnmacht























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