Brothers-Keepers e.V.

Wir über uns

Als Alberto Adriano an Pfingsten 2000...

...von Neonazis in Dessau ermordet wird, hinterlässt er eine Ehefrau und drei Kinder – eine Familie, die nun nicht nur lernen muss, ohne ihren Vater und Mann zu leben, sondern zugleich verstehen muss, dass er starb, weil er ein Schwarzer war. Doch das Schicksal von Alberto Adriano und seiner Familie ist in Wahrheit nur eines von vielen. Zeigt der Rassismus einmal sein hässliches Gesicht, dann bleiben zumeist nicht nur die sichtbaren Narben.

Mehr als 135 Menschen, die seit der Deutschen Wiedervereinigung von rechtsgerichteten Tätern getötet und ermordet wurden, ein Vielfaches an rassistisch und rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten und der alltägliche Rassismus bieten wahrlich genug Anlass, um das Schweigen zu brechen und den Stimmlosen eine Stimme zu geben. Am 4. Februar 2001 treffen wir uns auf Initiative von Adé Odukoya aka Adé Bantu in Köln, um Brothers Keepers e.V. zu gründen. Auf den ersten Blick ein bunt zusammen gewürfelter Haufen – Frauen und Männer, Schwarze und Weiße, Menschen aus unterschiedlichen Berufssparten, unterschiedlichen Alters. In einem Punkt sind wir uns einig: Wir wollen handeln!

Unser primäres Anliegen ist die Lobbyarbeit für von Rassismus betroffene Menschen. Allerdings wollen wir kein Mitleid, sondern Aufmerksamkeit – langfristig! Über den Opferstatus hinweg treiben wir die Entwicklung und Stärkung der afrodeutschen Identität und ihre Verankerung als Teil der deutschen Gesellschaft voran und reflektieren somit auch die deutsche Identität. Deshalb mischen wir uns aktiv in die Debatte um Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus ein. Denn Rassismus lässt sich nun einmal nur überwinden, wenn er wahrgenommen wird – und zwar nicht allein von den Betroffenen. Über Aktionen, aktive Vernetzung und direkte Medienarbeit erzeugen wir Öffentlichkeit und somit einen Raum für Diskussion. Dabei geht es nicht um bloße Kritik oder Anklage, sondern vielmehr um einen Dialog und um nachhaltige Veränderungen.

Das Musikprojekt Brothers Keepers...

...ebnet uns hierfür in vielerlei Hinsicht den Weg. Der inzwischen auf rund 90 Künstler und Produzenten angewachsene primär afrodeutsche Zusammenschluss wurde im Jahr 2000 von Adé Bantu und Thomas Hürtgen ins Leben gerufen und leistet seither kreativen Widerstand gegen die gesellschaftliche Stimmung der Lethargie und Resignation sowie gegen jegliche Form von Rassismus. Die Single „Adriano (Letzte Warnung)“ (2001) verkaufte sich rund 250.000-mal und erreichte Platz 4 der nationalen Charts. Die veröffentlichten Alben „Lightkultur“ (2001) und „Am I My Brothers Keeper“ (2005) schrieben und schreiben deutsche Musikgeschichte. HipHop findet zurück zu seiner Bestimmung und bringt Inhalte ins Radio:

In all den Jahren in denen wir airplay verschwendet haben / Man könnte denken, wir Rapper hätten nichts zu sagen.*

(Torch / „Adriano (Letzte Warnung)“)

Brothers Keepers wollen nicht nur unterhalten. Wir nutzen die Musik als Medium und mobilisieren besonders die Jugend, das Schweigen zu brechen, sich aktiv einzumischen und die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.

Denn diese (unsere) Zukunft kann nicht im Gegeneinander liegen. Vielmehr geht es um ein faires Miteinander, das heißt sich gegenseitig wahrnehmen und akzeptieren. Das Potential unserer Gesellschaft liegt in der Vielfalt. Und die Chance aus dieser Vielfalt zu lernen und sich zu entwickeln, besteht in der Kunst, sie in all ihrer Komplexität differenziert wahrzunehmen und zu reflektieren. Es gilt, Rassismus und Rechtsextremismus nicht allein als Bedrohung zu erkennen und zu benennen, sondern anzuerkennen, wie tief sie tatsächlich gesellschaftlich verankert sind und wie viel Arbeit es bedarf, um den rassistischen Tendenzen in jedem Einzelnen effektiv entgegen zu wirken - We Are Our Brother’s Keepers!

Ade Odukoya (Vereinsvorsitzender) über das Anliegen von Brothers Keepers e.V.:

„Dieses Land befindet sich im Aufbruch und viel Unsicherheit und Angst ist zu spüren. Wir müssen endlich aufstehen und für unsere Rechte einstehen und notfalls dafür kämpfen. Jemand von uns muss endlich auf die Missstände, die uns bewegen, aufmerksam machen und Lösungsansätze formulieren. Viele nehmen den täglichen bullshit einfach hin und die Jugend übernimmt oft unreflektiert negative Einflüsse. Aber Dinge sind veränderbar, jeder von uns kann etwas bewegen. Wir schreiben unsere Geschichte selber! Und: wir müssen lokal handeln – hier in Deutschland!“